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Gerhard Leistner

Ulrich Behl - „dem Licht eine Falle stellen“

Ulrich Behl zählt zu jenen Künstlern, die das Licht als Erscheinungsform und das Serielle als bewusstes Ordnungsprinzip zur wirkungsvollen Gestaltungsform erheben. Aufbauend auf den Ideen Piet Mondrians will der Maler, Grafiker und Objektkünstler in der Beschränkung auf die reine Farbe und die Farb-Licht-Modulationen geometrischer Rasterstrukturen zu puristischer Konzentration seiner Bildmittel vordringen.

Sein Interesse an Veränderungen in der Struktur einer Bildform zeigt Behl in den 60er Jahren mit seinen Collagen und Materialbildern an. Aber erst mit den „bespannten Relief-Objekten, in denen serielle Faltungen und gereihte Polyeder regulierte Schatten-Wirkungen erzeugen“ (Axel Feuß), findet Behl zu seinem eigenständigen Beitrag innerhalb der konkreten Kunst.

Nichts ist dem Zufall überlassen, alles ist durchdacht und kalkuliert. Als Grundfläche seiner Objekte dient entweder das Quadrat, das Rechteck oder das Dreieck. Von einer Holzfläche, die weiß gestrichen ist, heben sich die Objekte ab. Er entwickelt filigrane geometrische Holzkonstruktionen, die mit einer transparenten Papierhaut umspannt werden und in ihrer Abfolge zusammenhängenden Faltungen gleichen. Er reiht einzeln stehende kubische, quadratische, polygonale oder pyramidale Körper zu einem additiven Nebeneinander. Aus der Einzelform wird ein serielles Motiv, aus der Binnenstruktur eine Raumstruktur. Die durch Flächen und Kanten definierten Räume vereinfachen die Licht-Farb-Verläufe und machen sie dadurch noch spürbarer.

Die Prägnanz seiner Arbeitsweise zeigt sich in der makellosen Festigkeit des Körpers, der diffus und transparent auf den Betrachter wirkt. Transparenz bedeutet durchsichtig machen, offen legen und hat kommunikative Bedeutung. In anderen Arbeiten werden hölzerne Stege in Serien wie Waben angebracht. in denen sich das Licht einnistet. Der Künstler spielt mit den Möglichkeiten, „dem Licht eine Falle zu stellen” (Ulrich Behl). Licht und Schatten, Spiegelungen und Reflexe üben je nach Betrachterstandpunkt zwischen den Faltungen oder in Kuben und Quadern einen starken Reiz aus. Der Gegenstand wechselt seine monochrome Farbigkeit von Weiß zu Grau, sein Volumen von plastisch zu flächig. Formale Bezüge zu Mavignier, Staudt und besonders zu Schnonhovens monochrom weiß gehaltenen Arbeiten drängen sich auf, die durch die Schattenformen von Rasterreliefs moduliert werden.

In jüngerer Zeit entschloss sich Behl zu eigenständigen pyramidalen Körpern als geschlossenen Objekten, die die Ganzheit ihrer Dreidimensionalität erfahrbar machen. Ebenso wird in seinen Papierarbeiten das Licht zum Ereignis seiner Bilder. Hatte man in seinen früheren Zeichnungen noch Assoziationen an Landschaftsformationen und strukturierte Dinge, so vermitteln gerade die zwei Schattenstudien „Fluktuationen” eine geometrische Spiegelung im fließenden Wechselspiel von lichten Werten, Grautönen und tiefstem Schwarz.

Behls konkrete Objekte werden außerdem in Gruppen zu Environments gestaltet. Wasserinstallationen wie die 28 Aluminium-Tetraeder im Binnengewässer von Kiel (1987) oder die 32 vertikalen Aluminium-Säulen in der Laguna zu Venedig (1995) bestehen aus geometrischen Schwimmobjekten, die durch Wind und Wasserbewegung in rhythmische Bewegung geraten und durch Licht und Schatten, Spiegelungen und Reflexionen ihr Aussehen verändern.

in: Kunst als Konzept - konkrete und geometrische Tendenzen seit 1960 ..., Katalogbuch Museum Ostdeutsche Galerie, Regensburg 1996, Seite 102 ff.

   

  

     
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